Musik-Tipps
Die Ärzte - Rock'N'Roll Realschule Die Ärzte - Rock'N'Roll Realschule

Nachdem sie 2001 mit Männer haben kein Gehirn sogar ihre erste Spoken-Word-Platte veröffentlicht haben, war ein Unplugged-Album wohl das einzige, was im Tonträger-Kanon der Ärzte noch gefehlt hat. 
Jetzt ist es da -- und die Ärzte wären nicht die Ärzte mit ihrem Hang zu abseitiger Konzeptkunst, wenn sie sich dazu einfach in ein MTV-Studio gesetzt hätten. Nein, treu der Band-Maxime "Fannähe" mietete man sich in einer Hamburger Schule ein und im Rahmen eines fünfstündigen Aufzeichnungs-Marathons in vollem Schuluniform-Ornat und unter Mitwirkung des dortigen Schulorchesters entstand Rock'n'Roll Realschule. 

18 Songs und ein illustres Medley sind auf dem Album gelandet, wohlbekannte Ärzte-Klassiker (dazu der neue Song "Monsterparty"), mal in spinnerten Neu-Arrangements, mal eins zu eins "akustifiziert". "Schrei nach Liebe" kommt im groovigen Latin-Gewändchen, zur Neue-Deutsche-Härte-Verballhornung "Bitte Bitte" wird ganz böse, aber bitte akustisch, auf eine Stahlplatte gehämmert, bei "Westerland" greifen die Schülerchormädchen unterstützend ein. Und wenn, wie bei Belas "Manchmal haben Frauen" charmant-holprig die Streicher aufgeigen, dann hören sich die Ärzte fast an wie Belle & Sebastian. Ist das noch Punkrock? Nein, schon lange nicht mehr. Aber punkig. Und toller Pop. 

- Josef Winkler / AMAZON
Elvis - 30 No.1 Hits Elvis - 30 No. 1 Hits

Elvis Aaron Presley, geboren am 8.1.35 in Tupelo/Mississippi, gestorben am 16.8.77 in Memphis/Tennessee. Dazwischen ein Leben voller Musik, voller Songs, voller Filme, voller Skandale, voller unzähliger Nummer-eins-Hits. Ein kurzes, heftiges und auch unglückliches Leben, das Elvis zum "The King" machte. Selbst 25 Jahre nach seinem Tod ist die Erinnerung an ihn ungebrochen. Noch nie pilgerten so viele junge Menschen an seinem Todestag nach Graceland zu seinem Grab. Elvis -- ein Mythos, der wohl nie an Anziehungskraft verlieren wird, eine Stimme, die auch heute ihre Ausstrahlung noch nicht verloren hat.

Wer das nicht glaubt, der muss sich nur einmal die vorliegende neue Koppelung von 30 Top Hits anhören. Sämtliche Nummer-eins-Hits der amerikanischen und britischen Charts sind da vertreten, angefangen bei seinem ersten Millionenseller "Heartbreak Hotel" 1956 bis zu seinem posthumen Nummer-1-Hits "A Little Less Conversation" im Jahr 2002. Im Original kam das Lied 1968 heraus, Elvis hatte es zusammen mit den Jordanaires für seinen Musikfilm Live A Little, Love A Little aufgenommen. Bezeichnend für das Phänomen Elvis Presley, dass gerade dieses Lied, das bei Erscheinen nicht mal besonders erfolgreich war, ihn heute wieder zum internationalen Superstar macht. Fazit: Der Zauber von Elvis wirkt noch immer. Und das völlig zu Recht. Die CD ist eine Bereicherung für jede Sammlung. Elvis forever!

- Julia Edenhofer / AMAZON
Phil Collins - Testify Phil Collins - Testify

Phil Collins ist in der Popmusik so bekannt wie die Firma Heinz im Reich der gebackenen Bohnen. Genau so wie diese uns so vertraute und allgegenwärtige Firma liefert auch Collins ganz brav und zuverlässig seine Erzeugnisse ab. Testify folgt auf das 1996 erschienene Dance Into The Light. 

Hier erleben wir den britischen Sänger und Songschreiber, wie er durch seine überwiegend sanfte Sammlung von romantischen Balladen schlendert, wobei er sich selbst bei Beziehungen abwechselnd als Gewinner und Verlierer darstellt. Das größte Vergnügen entdecken wir bei Testify jedoch in der Klanggestaltung. Collins hat sich offensichtlich sehr aufmerksam einige Entwicklungen angehört und dabei bemerkt, wie in die Musik seiner Mitstreiter der "Adult-Pop"-Szene Einflüsse aus dem World-Beat eingeflossen sind. 

"Thru My Eyes" ist geistesverwandt mit "In My Eyes" von Peter Gabriel. "The Least You Can Do" steht ganz unbestritten unter keltischem Einfluss, "Driving Me Crazy" hingegen ist mit seinen bizarr herabtrudelnden Synthesizer-Klängen bestens dafür geeignet, bei großspurig angelegten Auto-Werbespots Sting Paroli zu bieten. Der Titeltrack hingegen erhält auf angemessene Weise Unterstützung durch einen Chor. Die Coverversion des traurigen "Can't Stop Loving You" (bereits von Leo Sayer in den 70er-Jahren aufgenommen) ist ein würdiger Nachfolger für Collins' eigenen Song "One More Night". 

- Kim Hughes / AMAZON
XXX Soundtrack - diverse Künstler XXX - Der Soundtrack

Kleinlaut ist nichts bei Vin Diesel oder in XXX, dem Geheimagenten-Spionagefilm, in dem der muskulöse Schauspieler als Star auftritt. Es ist daher auch nicht überraschend, daß der dazugehörende Soundtrack genauso schonungslos auftritt. 

Auf dem vom Rock geprägten Album windet sich die elektronische Produktion durch Rammsteins Maschinengewehr-Attacke "Feuer Frei" und durch die ruppigen Riffs von "Millionaire" der Queens of the Stone Age. Mushroomhead und Hatebreed schlagen mit ihren schnörkellosen Urschreien wild um sich. Andere Cuts sind ein wenig harmloser -- Gavin Rossdale von Bush liefert eine ergreifende, knackige Rockhymne. Orbitals rasantes, durchaus zum Tanzen geeignetes "Technologicque Park" wirkt so düster wie eine sternlose Nacht. Mobys faszinierendes, einfach gestricktes Synthesizerstück "Landing" präsentiert zusätzlich Azure Ray als Sänger. 

Die HipHop-Szene ist bei weitem nicht so elektrisierend vertreten - Nellys ruckelndes und zuckendes "Stick Out Ya Wrist" und Big Tymers' "Still Fly" wirken besonders zurückhaltend und unterkühlt. Letztlich erleben wir unterschiedliche Ergebnisse - Rossdales Song ist lebhafter als das meiste, was er bei Bush liefert, und die Tracks der Queens und von Rammstein toben vor Lebensfreude, wie übrigens auch alles bei Pastor Troy und Joi. Aber immer wieder versagen die Rap-Platte und die dröhnenden Passagen auf der Rock-Scheibe. Sie leiden an allzu gängigen Tricks und an ihren faden Texten -- wodurch das gesamte Album alles in allem doch in die Mittelmäßigkeit hinab gleitet. 

- Annie Zaleski / AMAZON
Herbert Grönemeyer - Mensch Herbert Grönemeyer - Mensch

Manchmal führt das Schicksal Regie auch in Sachen Musik. Herbert Grönemeyers neues Album Mensch erscheint zu einer Zeit, in der sich Deutschland in einem Gefühlsaufruhr befindet, die Flutkatastrophe im Osten die Gemüter aufwühlte und den nicht verarbeiteten Ossi-Wessi-Konflikt mit Elbe-Wasser hochspülte, die durch Aktienkurven verschütteten Werte wie Hilfbereitschaft und Mitgefühl neu aktivierte. Und all das in Wahlkampfzeiten, in denen jetzt mit Menschlichkeit gepokert und gepunktet wird. Dabei ist Grönemeyers Album Trauerarbeit, die er seit 1999 aufgrund eigener Schicksalsschläge leistete, um aus der tiefsten inneren Leere ("Unbewohnt" und "Der Weg") wieder neuen Lebensmut, ja Lebenslust zu gewinnen ("Viertel vor", "Das Meer").

Und dennoch decken sich viele der persönlichen, poetischen und allegorischen Textzeilen frappant mit der momentanen Stimmung im Land, was die Hitsingle "Mensch" beweist, Grönemeyers erste Nummer eins in den Single-Charts und die neue Hymne der Stunde. Songs wie "Neuland" und "Kein Pokal" wirken wie knirschende Sandkörnchen in der geölten Phrasendresch-Maschine des bundesrepublikanischen Alltags, sozusagen als humaner Subtext aus dem Blickwinkel der Zuhörer auf das Unausgesprochene zwischen den Zeilen.

Musikalisch überspringt der Bochum-Star aus Göttingen mit seinem britischen Koprouzenten Alex Silva leichtfüßig wie nie die Genres, von der nachdenklichen Pianoballade zum vehementen Gitarrenrock auf "Neuland" (mit Guano-Apes-Gitarrist Hennig Rümenapp als einer von vieren), vom ausgelassenen Mambo über Dance-Rhythmen auf "Blick zurück", von opulenten Streicherarrangements bis hin zum nostalgisch verfremdeten Trichtermikrofon auf dem Abschiedslied "Dort und hier". Beim Bonus-Hidden-Track "Demo - Letzter Tag" verbreitet ein improvisierter Gospelchor Hoffnung.

Zyniker, die Grönemeyer Gefühlsduselei vorwerfen, kann man getrost vergessen. Auch jene so genannten Coolen ohne jegliche Gefühlsbeziehung verdrücken dann und wann heimlich ein Tränchen vor dem CD-Player. Mit dem allzu menschlichen Plädoyer Mensch geht das sogar auf hohem Niveau. 

- Ingeborg Schober / AMAZON
The Rolling Stones - Forty Licks The Rolling Stones - Forty Licks (Best of)

Das ist natürlich erst einmal clever - mit vier neuen Songs ist die ultimative Best Of Collection der Rolling Stones Forty Licks quasi ein Muss für jeden Fan. Aber Halt! Die Stones haben in ihrer 40-jährigen Karriere nur wenige Sampler veröffentlicht, und damit lohnt sich die Doppel-CD mit sage und schreibe 40 Stücken in jedem Fall. Zudem gab es aus rechtlichen Gründen bislang ohnehin nur Compilations mit Klassikern aus der frühen oder späteren Phase. Forty Licks ist endlich der historische Brückenschlag und damit ein abwechslungsreicher Streifzug durch die Jahrzehnte mit dem berühmten Aha-Effekt. Inzwischen ist ja kaum mehr einer auf dem Laufenden, wenn es um das umfangreiche Oeuvre der britischen Superstars geht. Manche Songs wie "Satisfaction", "Ruby Tuesday" oder "Sympathy For The Devil" hat die Band bis dato für keine Compilation freigegeben, einige davon, wie etwa "Brown Sugar", "Miss You" und "Start Me Up" wurden digital nachbearbeitet.

Ergänzt wird diese erste umfassende Retrospektive der Rock'n'Roller, wie schon erwähnt, durch vier neue Stücke: "Don't Stop", das an "Honky Tonk Women" anknüpft, die Blues-Ballade "Losing My Touch" mit einem Mick Jagger emotional fast im Keller (hat aber zum Trost Klavier und Gitarre mitgenommen), das heftige Gitarrenstück "Stealing My Heart" und den lässigen, gemäßigten Rhythm'n'Blues "Keys To Your Love". Die Produktion von Don Was ist so geschickt, dass sie sich ins Gesamtrepertoire so einfügt, als hätte es sie schon ewig gegeben. Bewährt, solide, like a Rolling Stone. 

- Ingeborg Schober / AMAZON
Nena - 20 Jahre Nena Nena - 20 Jahre Nena

Nachdem am 07.10.02 als erste Singleauskopplung in einer neuen, zeitgemäßen Version die weltweit bekannten "99 Luftballons" wieder gestiegen sind, und NENA am 11.10.02 ihr großes Jubiläumskonzert in der Jahrhunderthalle in Frankfurt mit u.a. Udo Lindenberg, Tok Tok, Kim Wilde, Witt, Rosenstolz, Westbam, uvm. gab, kommt nun endlich ihr neues Album "20 Jahre - NENA feat. NENA". Auf diesem Album singt NENA ihre größten Hits -- neu aufgenommen und produziert von ihrem alten Weggefährten Uwe Fahrenkrog-Petersen und JEO (u.a. Falco, Echt). Abgerundet wird das Album mit grandiosen Duetten. So singt NENA zum Beispiel bei "Irgendwie Irgendwo Irgendwann" gemeinsam mit Kim Wilde, bei "Wunder Geschehn" mit Witt und bei "Jetzt bist Du weg" gemeinsam mit Udo Lindenberg. NENA entführt uns mit diesem Album in die Vergangenheit und gibt uns ein Stück Erinnerung zurück. Genießen wir es - Carpe Diem.

- AMAZON
Deep Purple - Listen, Learn, Read on (BOX SET) Deep Purple - Listen, Learn, Read on
(6CD BOX SET)
Hey Kids! Fehlt Euch noch ein (Weihnachts-) Geschenk für den reichen Erbonkel, den Opa, oder evtl. den Vater? Dann liegt Ihr mit dieser CD- Kollektion genau richtig. 
Deep Purple sind die Rock-Legende aus dem letzten Jahrhundert. 
Auf den 6 CD's sind teilweise unveröffentlichte oder rare Versionen der Klassischen Deep Purple Stücke aus mehr als 30! Jahren Rockgeschichte.
- E. Groeber / 37Freizeit
Sven Väth und Richie Hawtin - The Sound of the Third Season Sven Väth & Richie Hawtin
The Sound of the Third Season

Ibiza im Sommer 2002: "It's Such A Freakshow...". Sven Väths Worte im genial-atmosphärischen Intro der CD (das jedem Ibiza-Fan die Sentimentalität in die Knochen treiben wird) treffen den diesjährigen Vibe der Partyinsel, als auch den Besucher-Charakter der dritten "Cocoon"-Sommerresidenz im Kultclub Amnesia auf den Punkt. Sonne, Party, Techno - genau das strahlt die Väth/Hawtin-Mix-CD auch aus. Die Atmosphäre zwischen Partynacht und Afterhour bekommt der (Techno-)Hörer mit The Sound Of The Third Season kompakt auf einer CD! Compiled wurden nur die Lieblingstracks der deutsch-kanadischen DJ-Freundschaft. Dass die Wahl auf alte Bekannte wie Technasia, Ricardo Vilalobos oder Slam fiel, ist fast schon Nebensache. 

Recht tribalig beginnt Reinhard Voigts "Supertiel" den Soundreigen, steigert sich bei Dirtys "Dirty" noch etwas und verläuft im zeitlosen "Pontape" von Renato Cohen. Die BPM-Zahl nimmt bei Slam und Technasia zu, deren "Acid Storm" äußerst oldschoolig aus den Boxen dringt. Meister Väth selbst steuert "Steel" bei: kompromisslose Beats, Seele inbegriffen. Zwischendurch wird der harte Beat durch Atmosphärenkollagen jäh unterbrochen - gewidmet all denen, die auch im Winter von "Cocoon" 2002 träumen wollen. Schranzig brettert "99.9" von Koenig Cylinders und John Starlights "Blood Angels". 

Melodischer geht's ab dem elektronisch-verspielten "Disco Rout" von Legowelt weiter im Mix. Pause - Ibiza-Atmo und elektronisch-entspannt weiter mit Swayzak und Wessling & Schroms "Donauwellen". Vilalobos "What You Say Is..." hinterlässt eher minimalen Eindruck und endet mit einem nicht ganz so schönen Outro. Aber wer braucht das schon? Für "Cocoon"-Fans, Liebhaber des wahren Techno, Cover-Ästheten und alle, die auf die "Fourth Season" warten!

- Mark Hartmann / AMAZON
diverse Künstler - Buffy:''Once More With Feeling'' Buffy:"Once More With Feeling"

Die Idee, eine TV-Serie mit einem Touch von Broadway-Musical zu versehen, ist nicht unbedingt neu. Aber nur wenige waren so erfolgreich wie diese Episode von Buffy, the Vampire Slayer. Hinter diesem Erfolg stehen als Autor und Produzent Joss Whedon und als Darstellerin Sarah Michelle Gellar und ihre Schauspieler-Kollegen. Es ist ein liebenswertes und verrücktes musikalisches Porträt, das so ziemlich alles auf's Korn nimmt, angefangen von Andrew Lloyd Webber bis hin zur Alternative-Rock-Szene.

Das musikalische Konzept dieser Episode basiert auf einem Fluch, der auf Buffys Heimatstadt Sunnydale lastet. Die Show bedient sich auf liebenswürdig-ironische Weise der Popkultur. Parallel zu diesem Konzept bieten die musikalischen Stile eine Palette, die von einem Bühnenchor von Dämonen ausgeht, aber von Gellars heftig rockenden Attacken bei "Going Through The Motions" unterbrochen wird, dann weiterführt zu der von Spike im Goth-Metal-Stil vorgetragenen Klage "Rest In Peace". Dazwischen finden wir alles, aber auch alles von Strafzetteln für Falschparker und der Entfernung von Senfflecken bis hin zu den entscheidenden Duellen mit übernatürlichen Kräften, die als Broadway-Parodien auftreten. Hinzu kommen noch eindrucksvolle Orchester-Suiten, Filmmusik aus drei anderen Episoden und ein Demo von Whedon mitsamt seiner Frau Kai Cole für "Something To Sing About". 

- Jerry McCulley / AMAZON
Sanatana - Shaman (Enhanced) Santana - Shaman (Enhanced)

Das Album Shaman schafft von vornherein ein Problem: Was kann man denn noch nach einem so massiven Comeback tun, nach einem Erfolg, der "dich wieder zum Star gemacht hat" wie das Vorgänger-Album Supernatural? Wyclef ist nicht mehr als Produzent dabei, um alles ein wenig aufzupäppeln. Außerdem wird Santana auch nicht jünger. Also, was ist zu tun? Antwort: So viele Gastkünstler wie möglich einladen. Was bleibt ihm sonst übrig? Er ist kein Sänger, er ist ein Gitarrist, und man kann nicht endlos viele Gitarrensoli liefern. Lasst uns mal sehen und hören: Shaman präsentiert Dido, Chad Kroeger von Nickelback, P.O.D., Macy Gray, Citizen Cope, Plácido Domingo, Alejandro Lerner, Musiq, Me'Shell Ndegeocello, Ozomatli, Seal, Michael Shrieve und die Produzenten KC Porter und Kike Santander. Fehlen da nicht noch die Neptunes? Richtig! Sie waren als Einzige nicht dabei. 

Trotz all dieser "Stars" ist und bleibt das Instrumentalstück "Victory Is One" ein herrausragender Track. Hier blitzt Santanas uralte Latin-Rock-Fusion noch einmal auf. Bei der ersten Single "The Game Of Love", die von der 19-jährigen Michelle Branch gesungen wird, gibt es zuckersüßen Pop der 60er-Jahre zu schlecken. Spätestens hier wird aber auch klar, dass dem Album ein durchgängiges Konzept fehlt. Tatsächlich macht die Platte den Eindruck, dass sie von und für bestimmte Zielgruppen produziert wurde. Jeder Track zielt auf eine bestimmte Kategorie. Bei dieser Prozedur ist Santana lediglich das Aushängeschild. Nur Ozomatli und Macy Gray, selbst Produkte einer alternativen Musikszene "kapieren" Santana. Alle anderen Künstler wie Seal, Dido und Musiq (früher mal Musiq Soulchild) scheinen hier nur das große Geld gewittert zu haben. Santanas Spiel hat immer noch die gleiche Überzeugungskraft, aber viele seiner Gäste sind nur zum Absahnen gekommen. Das muss einfach mal gesagt werden. 

Ansonsten bleibt festzuhalten, dass Santanas Coverversion von Angelique Kidjos "Adouma" äußerst temperamentvoll ist und er sich auf dem so genannten Terrain der Weltmusik ("Foo Foo", "Aye, Aye") wirklich sehen und hören lassen kann. Santana und seiner zielgruppenorientierten Startruppe ist eigentlich nur der Vorwurf zu machen, dass sie hier ein Fertiggericht auf dem Plattenteller servieren. Hätte er sich doch ein wenig mehr darauf gestützt, wer er selbst wirklich ist! Hätte er sich doch nicht so sehr darauf gestürzt, was die Leute nach seiner Ansicht so alles von ihm erwarten! Dann, ja dann wäre hieraus ein tolles Album geworden. So nicht. 

- Jake Barnes / AMAZON
Marius Müller Westernhagen - In den Wahnsinn Marius Müller Westernhagen - In den Wahnsinn

"In den Wahnsinn"! Der Name ist Programm. Endlich hat die Musikwelt ihn wieder, den charismatischen deutschen Rockpoeten. Das neue Album rockt! 
Es ist absolut empfehlenswert. Einzige Enttäuschung ist die erste Singleauskopplung 'Es ist an der Zeit' gefällt mir weniger. Der Rest ist genial. Daher für Westernhagen: 5 Sterne! 
Ob Er an den großen Erfolg von Grönemeyer rankommen wird, ist ungewiss. Vorstellbar wäre es durchaus!

- AMAZON
Tom Jones - Mr. Jones Tom Jones - Mr. Jones

Man kann nicht abstreiten, dass das letzte Album von Tom Jones, Reload, ihm ein jüngeres Publikum beschert hat. Es wunderte sich über die coole Art und den sexuellen Charme dieses Sängers mit den vielen Haaren auf der Brust. Das scheint jedoch Tom ein wenig zu Kopf gestiegen zu sein. Wir erleben ihn hier unter der Anleitung des Top-Produzenten Wyclef Jean und das auch noch mit einer Flut von neuen "Szene-Wörtern", die für "Kids" ihre Bedeutung haben. Beim ersten Zuhören gibt es viele Passagen, die einem schlicht und einfach peinlich sind. Es kommt einem so vor, als ob der eigene Vater auf einmal eine Baseballmütze überzieht und bei der Party zum vierzehnten Geburtstag für deine Freunde anfängt zu rappen. Aber sobald man sein ungläubiges Staunen überwunden hat und man sich eingewöhnt hat, ist und bleibt Mr Jones eine ziemlich gute Sammlung von Songs. 

Die Eröffnungs-Single "Tom Jones International" präsentiert ihn mit einem Anflug von Rap zu dem Thema, wie toll er doch ist und dies mit einer Melodie im Stil von Nightmare On Elm Street, die von Wyclef gesungen wurde. Nicht unbedingt die Entdeckung dieses Albums, aber es enthält das Potenzial, in den kommenden Jahren zum Favoriten bei Live-Auftritten zu werden. Der nächste Song "Younger Days" ist ein bemerkenswert sentimentaler Trip weit zurück durch die eigene Erinnerung. Mit diesen Texten zeigt er Lebensweisheit (mal abgesehen von dem Mantra "Bumrush the door"). Bei jedem neuen Hören gefällt es einem immer besser. 

Ein beeindruckendes Highlight ist die episch angelegte Ballade "The Letter", die in dem für ihn typischen Stil gesungen wird, aber mit einem sanften Touch von R&B. Dies passt viel besser zu ihm als die Pseudo-HipHop-Beats, die man an anderen Stellen des Albums zu hören bekommt. Unter den drei Cover-Versionen ist eine moderne Widmung an den legendären Blues-Gitarristen Leadbelly mit einer Version von "Black Betty" und einem gelungenen Remix von "I Who Have Nothing". Beide Songs machen klar, dass Mr. Jones einem eher wie ein Wyclef-Jean-Album vorkommt, bei dem Tom als Gastsänger auftaucht und nicht umgekehrt. Lassen wir ihm aber mal ein wenig Zeit! Zuerst scheint einem alles ganz, ganz seltsam, aber dann kommt es letztendlich doch noch gut an.

- David Trueman / AMAZON
Eric Clapton - One More Car, One More Rider Eric Clapton - One More Car, One More Rider

Was soll man noch über den Ausnahmegitarristen Eric Clapton schreiben?? Bereits Ende der 60er Jahre zierte das Graffiti "Clapton is god" die Wände zahlreicher Häuser... 

Mit "Blind Faith", den "Yardbirds" und natürlich "Cream" schrieb Clapton Musikgeschichte, und auch als Solo-Künstler sind seine Musik und die Konzerte herausragende Ereignisse. 

Jetzt gibt es endlich in grandioser Soundqualität ein Live-Mitschnitt der letztjährigen Konzert-Tour - und diese Doppel-CD ist nicht nur für Clapton-Fans ein Muss!!! 

Wer die Tour gesehen hat, weiß, wovon ich hier schreibe. Mit "Key to the highway" begann das Konzert, nur Clapton auf der Bühne, dazwischen neue und alte Hits wie "Tears in Heaven", "Layla", "Cocaine", "Sunshine of your Love", der grandios interpretierte Song "River of Tears" und zum Abschluss der zeitlose Song "Over the rainbow" aus dem Musical "The Wizard of Oz" - wem dabei nicht die Tränen in die Augen schießen, dem ist nicht mehr zu helfen... 

19 Songs insgesamt finden sich auf den beiden Silberscheiben, von gefühlvoll bis rockig ist alles dabei, aufgenommen bei dem (natürlich ausverkauften) Konzert in Los Angeles. Mit dabei sind alte Bekannte wie Nathan East (Bass), Steve Gadd (Schlagzeug), Andy Fairweather Low (Gitare), Greg Phillinganes and Billy Preston (Keyboards), and David Sancious (Keyboard und Gitarre).

Als einer der besten Gitarristen seiner Generation ist Eric Clapton der Einzige, der dreimal in der Rock & Roll Hall of Fame geehrt wird (als Mitglied der Yardbirds und Cream und als Solo-Künstler). 

Diese CD ist, wie gesagt, ein absoluter Pflichtkauf und gleichzeitig DAS LIVEALBUM DES JAHRES!!! 

Man sollte noch erwähnen, das dieses Konzert auch auf DVD erscheinen wird - und die wird wohl alle anderen Clapton-DVDs in den Schatten stellen - mit Multiangle-Funktion, so dass man dem God of Guitar genauestens auf die Finger sehen kann - aber wozu?? So einen wie Clapton wird es nie mehr geben...

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