| Die
fabelhafte Welt der Amelie - Der Soundtrack
Der von der Kritik hochgelobte Film Die Fabelhafte Welt der Amelie musste ja den pariserischsten aller bretonischen Musiker anlocken: Yann Tiersen. Er zeichnet für mehrere Alben verantwortlich (L'Absente, Le Phare), von denen einige Stücke in diese Filmmusik aufgenommen wurden. Dieser Komponist widmet Montmartre die seit langer Zeit schönsten Melodien. "La Valse d'Amélie" nimmt uns an die Hand und führt uns Jahrzehnte zurück, und dennoch erscheint uns dieses Stück hochaktuell. Die Musik von Le Fabuleux Destin d'Amélie Poulain ist gleichermaßen modern und nostalgisch, typisch für Paris und dennoch voll vom Lokalkolorit der Provinz. Diese Musik ist ein reines Wunder an Frische ("La Redécouverte") und an Spontaneität ("Le Moulin"). Dabei ist sie im Grunde genommen einfach, die Orchestrierung zurückhaltend -- Klavier, Akkordeon, Gitarre -- aber sie strahlt die Poesie ihres Erfinders aus und vermittelt die gleiche Lebhaftigkeit wie der glänzende Regisseur Jean-Pierre Jeunet. Die Fabelhafte Welt der Amelie ist voller Menschlichkeit und ergreifend und mit ihrer Poesie und ihrem Charme wird sie jedem Zuhörer unter die Haut gehen. --Didier Leprêtre |
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| Sting
- All this time
Die Stimmung auf Stings Livealbum "All This Time" ist in vielerlei Hinsicht besonders. Zum einen spielte er mit seiner Band vor der intimen Kulisse von nur 200 Zuschauern in einem kleinen Ort in der Toskana. Dazu kommt, dass die Songs live eingespielt oft anders arrangiert wurden, und sich so als eigentlich neue Lieder verstehen. Und dann fand das Konzert auch noch an eben jenem 11. September statt. Nachdem sich am Nachmittag die Nachrichten aus New York überschlugen, entschieden sich die Musiker, vorerst nur den Song "Fragile" zu spielen und dann nach einer Schweigeminute die Zuschauer entscheiden zu lassen, ob das Konzert fortgesetzt werden soll. Die Gäste entschieden sich also für die Fortsetzung und so entstand mit ...All This Time ein Album, welches sicherlich schon des Datums wegen in die Geschichte eingeht. Die Tracklist liest sich beinahe wie ein "Best-Of"-Album, denn aus jeder Schaffensphase von Sting ist etwas dabei. Und doch gibt es durch die neuen Arrangements eine ganze Menge zu entdecken. Das frühe "Moon Over Bourbon Street" bekommt noch eine Extraportion Jazz ab, der einstige Police-Hit "Don't Stand So Close To Me" verlor an Tempo und gewann an Tiefe und "(If You Love Someone) Set Them Free" wurde zu einer breit instrumentierten Bigband-Nummer. Doch die großen Momente des Albums sind fraglos die Balladen. "Fields Of Gold", "When We Dance" und das dramatische "Mad About You" gewinnen durch die intime Atmosphäre des Konzertes und machen das Album zu einem echten Highlight unter Stings gesamten Werken. --Ulf Behlen |
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| Planet
der Zwerge - Oliver Kalkofe
Eine erneut gelungene CD des aus Peine stammenden Talentes. Die eigenwilligen Interpretationen des "Onkel Hotte" attackieren die Bauchmuskulatur des Hörers immer wieder aufs neue. Kalkofes Einfallsreichtum scheint keine Grenzen zu kennen. Seine Märchenonkelfigur Horst Horstmann hat längst Kultstatus erreicht. Comedy die auch gerne mal unter die Gürtellinie geht, dennoch die Grenzen des guten Geschmackes nicht überschreitet. |
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| Der
Herr der Ringe - Der Soundtrack
Ex-Clannad-Vokalistin Enya war als Lieferantin für das Titelstück zum Herrn der Ringe und den Abspann-Song aus mehreren Gründen erste Wahl. Bereits ihre CD Shepherd Moons (1991) enthält ein, dem verzauberten Königreich Lothlorien gewidmetes, gleichnamiges Instrumental, zu dem sie durch J.R.R. Tolkiens Kult-Trilogie inspiriert worden ist. Ferner besitzt ihr sphärischer, kunstvoll gewobener Celtic-Sound genau jene gefühlvolle Magie, welche optimal geeignet ist zur Untermalung einer in Mittelerde spielenden Geschichte voller Zwerge (Hobbits) und anderer Phantasiegeschöpfe. Interessant: In "The Council Of Elrond" und der Hit trächtigen Ballade "May It Be" konzentriert sich die Irin ausschließlich auf den Gesang und zeigt, dass sie selbst inmitten eines großen Orchesters anstatt der für sie typischen Synthi-Schleier ihren eigenen, soften Stil zu transportieren versteht! Den Score steuerte Howard Shore bei. Der Mitstreiter von David Cronenberg (Die Fliege) hat schon in Das Schweigen der Lämmer, Sieben oder The Cell den archetypischen Kampf zwischen Gut und Böse in Noten gefasst. Für den ersten verfilmten Band des bereits 1954 erschienenen Dür den Herrn der Ringe studierte er nicht nur den Millionenseller, ließ sich davon inspirieren und komponierte parallel zum Lesen, sondern kooperierte auch eng mit den beiden Drehbuchautoren. Sein Ziel: Die größtmögliche Harmonie zwischen literarischer Vorlage, ihren Charakteren, Lebensumfeld und der Musik! Shore versuchte zudem zu ergründen, wie die Musik vor 7.000 Jahren in Mittelerde geklungen haben könnte. Deshalb hörte er sich die unterschiedlichste Folklore des 8. und 9. Jahrhunderts an, was starke Auswirkungen auf die Instrumentals des Kanadiers hatte. Aufgenommen wurde ein Teil des Scores zu dem 165-minütigen Epos dort, wo der vor allem durch Horrorfilme bekannt gewordene Regisseur Peter Jackson (Dead Alive) die 270 Millionen Dollar teure Produktion gedreht hatte: In Neuseeland. Die Town Hall der Hauptstadt Wellington wurde zum Tonstudio umfunktioniert, in dem das 96-köpfige New Zealand Symphony Orchestra und ein 50 Personen starker polynesischer Männerchor Platz nahmen. Den Rest, an dem The London Philharmonic Orchestra, zwei Chöre und die Sängerin Elizabeth Frazer (ehemals The Cocteau Twins) beteiligt waren, schnitten Techniker in England mit. Das Ergebnis erinnert von seiner Komplexität her an eine große Oper, überrascht mit abwechslungsreichen Stimmungsbildern zwischen kraftvoll-laut und verspielt-leise, atmosphärisch und aufwühlend, fröhlich und Furcht erregend. So wird binnen 71 Minuten die Story des ersten Bandes musikalisch vielfältig nacherzählt! Da Der Herr der Ringe die erste Produktion der Kinogeschichte darstellt, von der alle drei Teile am Stück verfilmt worden sind, konnte Shore nach einjähriger Arbeit an Teil eins gleich die Folge-Aufträge angehen: Die zwei Türme und Die Rückkehr des Königs. --Thomas Hammerl |
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Heinz
Rudolf Kunze - Wasser bis zum Hals steht mir
Mit Wasser Bis Zum Hals Steht Mir nimmt Heinz Rudolf Kunze eine Auszeit vom Hauptberuf des Popmusikers und frönt stattdessen erneut seiner literarischen Leidenschaft. Nach Sternzeichen Sündenbock (1991) und Der Golem aus Lemgo (1994) verlässt er damit bereits zum dritten Mal auf einer CD das angestammte Musikterrain, um sich stärker auf das Wort zu konzentrieren. In einer eigenwilligen, aber jederzeit fesselnden Mixtur aus Hörbuch und Klangcollage macht sich der studierte Germanist und Philosoph so seine (nicht immer mehrheitsfähigen) Gedanken über Gott und die Welt und untermalt das Ganze mit den unterschiedlichsten Sounds. Die Palette reicht dabei von 70er-Jahre-Funk ("Das Ding") und Ambient in der Stilnähe von Brian Eno über Geräuschmontagen und Instrumentals in der Nachfolge von Michael Rother ("Eichenlaub") bis zu HipHop und Dub ("Argumental"). Die verschlüsselten Texte, die teilweise aus Kunzes Buch Klärwerk stammen, machen es einem nicht gerade leicht, doch die Auseinandersetzung damit lohnt sich. Was der Mann mit der Brille da gedichtet hat, erschließt sich nicht immer eindeutig, viele seiner lyrischen Miniaturen, surrealen Metaphern, Wortspiele, Sprachexperimente und Assoziationsketten gestatten die unterschiedlichsten Interpretationen. So ließe sich beispielsweise "Der endgültige Ozean" als Reflexion über den Tod und das, was nach dem Leben kommt, deuten. In "Liebeserklärung" verrät der Autor den Frauen, was Männer wirklich wollen. In "So lala" geht es anscheinend um die nicht immer klar gezogene Grenze zwischen Normalität und Verrücktsein. Und bei "Nichts ist so erbärmlich wie die Jugend von heute" nimmt sich Kunze provokativ die Teenager unserer Tage, die sich für nichts engagieren, zur Brust. Aber wie gesagt: Diese rätselhaften Poeme lassen sich nie auf eine einzige Auslegung beschränken. Gut möglich, dass andere Hörer zu anderen Schlüssen gelangen. Wie auch immer, Heinz Rudolf Kunze hat jedenfalls einmal mehr ein Werk geschaffen, das einem lange im Kopf herumgeht. Seine kunstfertige Sprache lässt einen so schnell nicht wieder los. --Harald Kepler |
| Django
Asül - Autark
Django Asül will autark werden, unabhängig, selbstständig. Leider gestaltet sich das zunehmend schwierig: Als Letzter seiner Familie mit türkischem Pass ist er nicht nur unter seinen Verwandten ein Ausländer, auch das türkische Konsulat sieht ihn scheel an. Glücklicherweise kann Django die Behörden davon überzeugen, dass es für die innere Sicherheit der Türkei besser ist, wenn er draußen bleibt. Dafür erhält daheim im niederbayerischen Hengersberg seine Schwester einen Einberufungsbescheid. Wie also autark bleiben? Django ist Niederbayer. Und Türke. Und er hat mit den gleichen Problemen zu kämpfen wie wir alle: Navigationssysteme, Bankgeschäfte und Weihnachten, nur dass er sie aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, gewissermaßen aus einem ausländischen. Als Niederbayer hat er mit Deutschland sowieso noch weniger zu tun, also ist er irgendwie doch autark, oder? Django Asüls neues Album Autark führt uns wieder an völkerverbindene Probleme und vorurteilsbehaftete Animositäten heran, die sich letztendlich in verblüfftem Gelächter auflösen. --Daniela Lochner |
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Saliva
- Every Six Seconds
Salivas Heavy Rock -- mit einem Schuss Rap gewürzt -- ist gleichermaßen brandaktuell und zeitlos, ganz im Gegensatz zu sonstigen Bands, die im Umfeld von Korn und Limp Bizkit entstanden sind. Das energiegeladene und vielseitige Debüt dieser aus Memphis stammenden Gruppe präsentiert ein Dutzend Tracks, die sich mit ihren Texten und ihrer Musik sehen und hören lassen können und die von einer Band stammen, die ganz klar von heftigen Temperamenten und klugen Köpfen dominiert wird. Der leidenschaftliche Auftritt des großen Sängers Josey Scott erzielt seine Wirkung, wenn er mit den konsequenten Riffs von "Musta Been Wrong" zusammenkommt und die erhebende, vielschichtige Intensität des Songs durch die kontinuierliche Kleinarbeit der Gitarre ausgeglichen wird. Bei Every Six Seconds erlebt man viele solche Augenblicke, wobei die straffe, von Techno beeinflusste Arbeitsweise des Produzenten Bob Marlette Stücken wie "Lackluster" und "Faultline" einen Touch von Nine Inch Nails verleiht. "Hollywood" ist eine klassische Variante von Tinseltown im gemäßigten Tempo, während die erste Single der CD "Your Disease" schlicht und einfach ein Hit ist. "My Goodbyes", das ideale Stück zum Abschluss, vermittelt eine mystische, musikalische Stimmung, die zum Abschied nehmen von geliebten Menschen passt. Alles in allem macht Salivas nachdenkliche, gefühlvolle, erdverbundene Intensität aus Every Six Seconds von Anfang bis Ende zu einem eindrucksvolle Start. --Katherine Turman |
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